Über uns

Kopernikus e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für industrieunabhängige Forschung engagiert. Unsere Mitglieder sind Ärzte, Therapeuten und medizinisch interessierte Laien, die die deutsche Forschungslandschaft verbessern wollen.

Fast 90% der weltweit durchgeführten Forschungsprojekte werden von privaten Unternehmen finanziert, deren Hauptinteresse wirtschaftlicher Natur ist.* So ist es auch zu verstehen, dass weniger als die Hälfte der durchgeführten Forschungsprojekte auch tatsächlich veröffentlicht werden - nämlich jene Projekte, deren Ergebnisse den finanzierenden Unternehmen dienlich sind. Der Kopernikus e.V. will die Säule der öffentlichen Gelder und unvoreingenommene Finanzierungsmöglichkeiten für Forschungsprojekte stärken und sich dafür einsetzen, dass sämtliche Forschungsprojekte unabhängig von der Aussagekraft ihrer Ergebnisse veröffentlicht werden. Wir unterstützen dazu die Initiative alltrials.net

Unser Namenspatron Nikolaus Kopernikus war seinerzeit bereit, bestehende Weltbilder zu hinterfragen, um Neues zu entdecken. In ähnlicher Weise möchten wir Forschungsprojekte unterstützen, die bereit sind, Neuland zu betreten, um - unabhängig von finanziellen Interessen - den medizinischen Fortschritt voranzutreiben.

In Deutschland erleben wir derzeit einen Therapie-Boom in der alternativmedizinischen Landschaft. Hier werden zahlreiche Therapien und Methoden angeboten und genutzt, zu denen bisher kaum oder keine aussagekräftigen Forschungen durchgeführt wurden. Wir möchten helfen, diese Forschungen zu ermöglichen.

Mehr über den Gründer des Vereins Benedikt Zeitner.

 

Ein paar Fakten über die medizinische Forschungslandschaft

-ca. 90 % der medizinischen Studien werden privat durch Konzerne finanziert.*

-Bei privat finanzierten Studien liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Studie ein positives Ergebnis erzielt, bei 85 % - bei öffentlich finanzierten Studien liegt sie bei 50 %.

-Nur ca. 50 % sämtlicher medizinischer Forschungsergebnisse werden veröffentlicht.

-Das hat zur Folge, dass auch an Universitäten nur das gelehrt wird, was von der Industrie sorgfältig vorsortiert wurde, da nur die Daten veröffentlich werden, die den finanzierenden Unternehmen nützen.

-Beispiel Tamiflu: Der Hersteller Roche hat zahlreiche Studien zu Tamiflu durchgeführt, aber nur diejenigen veröffentlicht, die Tamiflu günstig dastehen ließen. Im Zuge der Schweinegrippepanikmache hat Roche weltweit Regierungen dazu überredet, millionenfache Dosen von Tamiflu zum Schutz der Bevölkerung zu ordern. Erst nach öffentlichem Druck durch die Cochrane-Foundation hat Roche alle Daten veröffentlicht und musste bekanntgeben: Tamiflu ist kaum besser als ein Placebo.

-Studien werden manipuliert oder ihre Ergebnisse verschönert durch
    -Anpassung der Teilnehmerzahl nach Ausscheiden von Teilnehmern wegen zu starken Nebenwirkungen oder Tod (man testet an einer Gruppe von 1000 - während der Studie scheiden 100 Teilnehmer aus aufgrund von Nebenwirkungen oder Tod - danach wird die Teilnehmerzahl der Studie auf 900 korrigiert)
    -Subgruppenanalysen (man wirbelt bei negativem Ausgang der Studie die Daten so lange durch bis sich herausstellt: "Bei einäugigen 40-45-jährigen Sachsen hat das Medikament gut gewirkt.")
    -Änderung des Zeitpunktes des Endes der Studie (hat man in den ersten 2 Monaten schon ein positives Ergebnis, beendet man die Studie vorzeitig - im umgekehrten Fall verlängert man bis positive Daten erscheinen)
    -Surrogatergebnisse (z.B. werden nur Änderungen der Blutfettwerte gemessen - anschließend wird jedoch behauptet, das Herzinfarktrisiko sei gesenkt worden)
    -Darstellung des relativen Risikos anstelle des absoluten Risikos (z.B. beträgt das Herzinfarktrisiko bei 50-jährigen 6 % mit hohem Cholesterin und 4 % mit geringem - nun sagt man, man könne sein Risiko durch Cholesterinsenkung um 33% verringern - in Wirklichkeit verringert sich das absolute Risiko aber nur um 2%.

-Hunderttausende Menschen sind in den letzten Jahrzehnten aufgrund der bestehenden Strukturen vermeidbar gestorben.

-Hat ein Arzt seine Approbation erreicht, ist er angehalten, sich regelmäßig fortzubilden. Es werden jedoch ca. 90% der Fortbildungen für Ärzte direkt von den Pharmaunternehmen durchgeführt, da die öffentliche Hand kaum Fortbildungen anbietet. Einmal aus der Universität entlassen, ist ein Arzt also vorwiegend voreingenommenen Informationsquellen ausgeliefert.

-Ca. 25 % des Geldes, das wir für ein Medikament ausgeben, geht in den Marketingetat des Unternehmens. Das Marketingbudget der forschenden Pharmaunternehmen ist durchschnittlich doppelt zu groß wie das Budget für Forschung.

-Ca. 50 % des Marketingetats werden für Pharmareferenten ausgegeben.

-Auf 3-6 Ärzte kommt ein Pharmareferent. Jeder Arzt, der regelmäßig Besuch von einem Pharmareferenten bekommt, hat eine bis zu 13-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit, im Anschluss bei seinen Verschreibungen Medikamente dieses Unternehmens zu bevorzugen.

-Medizinische Fachzeitschriften sind zum Großteil werbefinanziert aus der Industrie. Diese Zeitschriften empfehlen dabei fast ausschließlich die Medikamente, von denen die Zeitschriften, die Abonnentenfinanziert sind, jedoch abraten.

-Es ist davon auszugehen, dass gerade einmal 13% der gängigen medizinischen und therapeutischen Maßnahmen wirklich das Etikett "evidenzbasiert" verdienen, da die meisten Anwendungen und Medikamente kaum Vorteile gegenüber einem Placebo bieten oder es dazu keine sauberen Studien gibt.

Es gibt bereits zu all diesen Themen seit Jahren Änderungsversuche, die jedoch bis heute alle weitestgehend ungenügend geblieben sind. Dabei gibt es Lösungen, die quasi nichts kosten, sondern nur ein paar rechtlich verbindliche Auflagen erforderlich machen.

Wir denken, dass niemand dafür zur Rechenschaft gezogen werden kann, wenn er auf seinen eigenen wirtschaftlichen Vorteil aus ist. Diese Probleme müssen auf systemischer Ebene angegangen werden. Außerdem möchten wir betonen, dass auch viele positive Errungenschaften aus der Pharmaindustrie hervorgegangen sind - diese wären jedoch durch ein gerechteres System nicht verhindert worden.

Wir schließen uns den Forderungen von alltrials an:

- Jede Studie muss VOR Beginn in einem zentralen, öffentlichen Register angemeldet werden mit klaren Daten zu Studienfokus, -zeitraum, Teilnehmerzahl etc.
- Spätestens 1 Jahr nach Abschluss der Studie müssen sämtliche Daten für jeden öffentlich zugänglich gemacht werden.
- Ebenso müssen sämtliche Konzerne verpflichtet werden, rückwirkend die Studiendaten der letzen Jahrzehnte zu veröffentlichen.
- Öffentlich finanzierte Forschung und Fortbildungen für Ärzte müssen ausgebaut werden.
- Ärzte sollten verpflichtet werden, in ihren Wartezimmern auf Aushängen bekannt zu geben, welche Pharmareferenten sie wie häufig empfangen, welche Fortbildungen sie belegen und wie diese finanziert werden.

 

*Die Zahlen entstammen Ben Goldacres "Bad Pharma", Harper Collins Publ. UK, 2013